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Hester Peirce warnt: DeFi-Vaults könnten Wertpapiere sein

Milan Torres
Milan Torres
Leitender Analyst·

SEC-Kommissarin Hester Peirce warnte im Juli 2026, dass DeFi-Vaults und Onchain-Lending unter US-Wertpapierrecht fallen könnten – eine neue Debatte entbrannte.

Hester Peirce warnt: DeFi-Vaults könnten Wertpapiere sein

Das Wichtigste in Kürze

  • Juli 2026 warnte SEC-Kommissarin Hester Peirce, dass DeFi-Vaults und Onchain-Kreditstrategien als Bundeswertpapiere eingestuft werden könnten
  • Der Howey-Test, ein Rechtsrahmen des Supreme Court von 1946, ist der rechtliche Massstab, den die Aufsichtsbehörden zur Einstufung dieser Produkte als Wertpapiere heranziehen würden
  • Staking, Airdrops und Krypto-Mining sind bereits bestätigt als Nicht-Wertpapiere, doch DeFi-Vaults und Onchain-Kredite bleiben ungeklärt
  • SEC-Vorsitzender Paul Atkins hat signalisiert, dass neue Regulierungen für Onchain-Finanzen kommen werden, die bestimmen, wie Peirces Warnung in der Praxis umgesetzt wird

DeFi-Vaults stehen im Visier der Regulierungsbehörden, und die Warnung kommt von einer der wenigen Verbündeten der Kryptobranche innerhalb der SEC. Kommissarin Hester Peirce, wegen ihrer jahrelangen Verteidigung digitaler Vermögenswerte gegen aggressive Durchsetzungsmassnahmen 'Crypto Mom' genannt, erklärte, dass automatisierte Krypto-Vaults und Onchain-Kreditstrategien unter das US-Bundeswertpapierrecht fallen könnten. Die Aussage kam ohne formelle Durchsetzungsmassnahme, doch die Branche sollte sie als das lesen, was sie ist: eine Vorwarnung, kein Freibrief.

Peirce zieht eine Linie um DeFi-Vaults

Die Äusserungen fielen im Rahmen einer laufenden regulatorischen Diskussion, die Hester Peirce seit Februar 2026 vorantreibt, als sie eine Stellungnahme mit dem Titel 'The Journey Begins' veröffentlichte. Dieses Dokument legte ihre persönliche Philosophie dar, wie eine durchdachte Krypto-Aufsicht aussehen sollte und warum ein Durchsetzungs-zuerst-Ansatz der Branche immer wieder geschadet hat, indem er Verwirrung statt Klarheit schuf. Ihre jüngsten Kommentare übertragen dieses Denken direkt auf DeFi-Renditeprodukte, eine Kategorie, von der die Branche weitgehend angenommen hatte, sie fliege unter dem rechtlichen Radar.

Ein Krypto-Vault ist, einfach ausgedrückt, eine Software, die eingezahlte Token nimmt und sie automatisch über DeFi-Protokolle verteilt, um die Rendite zu maximieren. Man zahlt ein, der Vault führt die Strategie aus, man kassiert die Erträge. Klingt simpel. Doch passive Anlageinstrumente, die Nutzergelder bündeln und Renditen erwirtschaften, sind genau die Art von Produkten, für deren Erfassung das US-Wertpapierrecht geschaffen wurde, und diese Rechtsarchitektur ist etwa 80 Jahre älter als die Blockchain.

Peirce erklärt Vaults nicht für illegal. Sie wirft die Frage auf, ob sie Wertpapiere sind, und in regulatorischer Hinsicht kann diese Unterscheidung die Compliance-Pflichten eines Unternehmens über Nacht komplett verändern. Registrierungsanforderungen, verpflichtende Offenlegungen, Anlegerschutzrahmenwerke: Nichts davon ist etwas, worauf ein typisches DeFi-Protokoll derzeit ausgelegt ist.

Was macht ein DeFi-Produkt zum Wertpapier?

Der massgebliche Standard ist der Howey-Test, ein Rechtsrahmen aus einem 1946 vor dem Supreme Court verhandelten Fall, bei dem es ausgerechnet um Orangenplantagen in Florida ging. Gerichte stellen vier Fragen: Wurde Geld investiert? In ein gemeinsames Unternehmen? Mit der Erwartung von Gewinnen? Die aus den Bemühungen anderer stammen? Werden alle vier Fragen mit Ja beantwortet, handelt es sich mit ziemlicher Sicherheit um ein Wertpapier.

Wendet man das auf DeFi-Vaults an: Nutzer zahlen Gelder ein. Die Vault-Strategie, programmiert vom Protokoll-Team oder gesteuert durch Governance-Token-Inhaber, erledigt die Renditearbeit. Erträge fliessen an die Einzahler zurück. Das Kriterium der 'Bemühungen anderer' wird kompliziert, wenn man einen menschlichen Fondsmanager durch einen Smart Contract ersetzt, doch Unklarheit war nach US-Recht noch nie ein Befreiungsgrund.

Das ist Peirces Kernargument. Die Architektur ist neu. Die Rechtsfrage ist alt. DeFi-Entwickler, die Renditestrategien aufgebaut haben, müssen sich vermutlich fragen, ob ihre Produkte den Howey-Test bestehen, und die unbequeme Realität ist, dass die meisten diese Frage wahrscheinlich nie ernsthaft gestellt haben.

'Smart Contracts statt Fondsmanager' ist kein rechtliches Argument. Es ist eine Designentscheidung.

DeFi-Vaults und Onchain-Kredite: Die Grauzone

Zwei Produktkategorien befinden sich derzeit in ungeklärtem regulatorischem Territorium: DeFi-Vaults und Onchain-Kreditplattformen.

Die SEC hat Teile dieses Geländes bereits kartiert. Staking, Airdrops und Krypto-Mining wurden grundsätzlich als Nicht-Wertpapiere bestätigt, eine Einschätzung, die Entwicklern in diesen Bereichen deutlichen Spielraum gab, weiterzuarbeiten. Doch renditegenerierende, kapitalsammelnde DeFi-Produkte haben diese Behandlung nicht erhalten. Die Behörde sammelt weiterhin aktiv Rückmeldungen aus der Branche dazu, wie diese Aktivitäten eingestuft werden sollten, und die Kommentierungsfrist ist noch offen.

Onchain-Kreditplattformen ermöglichen es Nutzern, Kryptowährungen einzuzahlen und über Blockchain-basierte Protokolle Renditen zu erzielen, eine Mechanik, die einem traditionellen Geldmarktfonds unbequem nahekommt, der unter geltendem Recht sehr wohl ein reguliertes Instrument ist. Auch die Vermarktung der Erträge spielt eine Rolle. Ein Produkt, das mit APY-Rankings wirbt, passives Einkommen durch automatisierte Renditestrategien verspricht und Kapital von tausenden Privatanlegern bündelt, hat es regulatorisch schwerer als eines, das explizit nutzungsorientiert aufgebaut ist und auf Nutzerkontrolle statt verwalteter Renditen setzt.

Wo steht die SEC aktuell in Sachen DeFi?

Noch unentschieden. Das ist die ehrliche Antwort.

Peirce hat sich konsequent für Regeln statt Durchsetzung eingesetzt und argumentiert, dass die Kryptobranche klare Leitlinien verdient, denen sie tatsächlich folgen kann, anstatt erst durch eine Klage zu erfahren, wo die rechtlichen Grenzen verlaufen. Ihr vorgeschlagenes 'Mirror-Token-Rahmenwerk' ist ein Ausdruck dieser Philosophie: ein strukturierter Ansatz, um digitale Vermögenswerte in regulatorische Kategorien einzuordnen, ohne sie in Compliance-Regime zu zwängen, die für Instrumente der 1930er-Jahre entworfen wurden und nichts mit dezentraler Finanzwelt zu tun haben.

SEC-Vorsitzender Paul Atkins hat separat signalisiert, dass neue Regeln für Onchain-Finanzen, einschliesslich KI-gestützter Finanzprodukte, aktiv entwickelt werden. Die Behörde baut ein Rahmenwerk auf, das bestimmen wird, wie Peirces Warnung in der Praxis angewendet wird. Nichts ist finalisiert. Die Phase der Stellungnahmen ist noch offen, was bedeutet, dass selbst die regulatorische Kategorie, in die Vaults und Kreditprodukte letztlich fallen werden, noch nicht feststeht.

Für DeFi-Protokolle, die ihre gesamte Nutzerbasis rund um Vault-Strategien und Renditeprodukte aufgebaut haben, ist das Zeitfenster, dem voraus zu sein, nicht gross. Peirce sagt, sie unterstütze Krypto weiterhin. Das hat sie seit Jahren konsequent betont. Doch sie sagt ebenso klar, ohne eine Klage im Anhang, dass einiges von dem, was die Branche gebaut hat, nach geltendem Recht bereits als Wertpapier eingestuft werden könnte.

Die Frage ist nicht, ob die SEC sich irgendwann entscheiden wird. Die Frage ist, ob ausgerechnet dein Protokoll dasjenige sein wird, das sie dazu zwingt.

Häufig gestellte Fragen

Was sind DeFi-Vaults?

DeFi-Vaults sind automatisierte Smart Contracts, die Nutzergelder bündeln und über dezentrale Finanzprotokolle einsetzen, um Renditen zu erzielen. Nutzer zahlen Kryptowährungen ein, der Vault verwaltet die Allokationsstrategien, und die Erträge fliessen an die Einzahler zurück. Sie sind darauf ausgelegt, passive Renditen zu maximieren, ohne dass Nutzer ihre Positionen aktiv verwalten müssen.

Gelten DeFi-Vaults nach US-Recht als Wertpapiere?

Noch nicht offiziell festgestellt. SEC-Kommissarin Hester Peirce warnte im Juli 2026, dass DeFi-Vaults die rechtlichen Tests zur Einstufung von Produkten als Wertpapiere erfüllen könnten, insbesondere den Howey-Test, der fragt, ob Nutzer Geld in ein gemeinsames Unternehmen investieren und Gewinne aus den Bemühungen anderer erwarten. Eine Durchsetzungsmassnahme wurde nicht eingeleitet.

Was ist der Howey-Test und warum gilt er für DeFi?

Der Howey-Test ist ein Rechtsrahmen des Supreme Court von 1946, der bestimmt, ob ein Finanzprodukt als Wertpapier einzustufen ist. Er fragt, ob Geld in ein gemeinsames Unternehmen investiert wurde, mit der Erwartung von Gewinnen, die aus den Bemühungen anderer stammen. DeFi-Vaults und Onchain-Kreditplattformen könnten alle vier Kriterien erfüllen und stehen damit unter regulatorischem Risiko.

Welche Krypto-Aktivitäten hat die SEC als Nicht-Wertpapiere eingestuft?

Die SEC hat erklärt, dass Staking, Airdrops und Krypto-Mining grundsätzlich nicht als Wertpapiere gelten. Das gibt Entwicklern in diesen Kategorien einen klareren regulatorischen Stand. DeFi-Vaults und Onchain-Kreditstrategien bleiben jedoch ungeklärt, und die Behörde sammelt weiterhin Branchenfeedback dazu, wie diese Aktivitäten nach Bundesrecht behandelt werden sollten.