Stablecoins setzen auf KI-Zahlungen trotz langsamer Akzeptanz
Bernstein sagt, KI-Zahlungen mit Stablecoins zeigen kaum Dynamik, doch USDC erreichte 2,4 Bio. $ in 2026 – grenzüberschreitende Überweisungen bleiben der wahre Wachstumstreiber.

Das Wichtigste in Kürze
- Bernstein sieht Potenzial für Stablecoins bei KI-gesteuerten Maschinenzahlungen, doch die aktuelle Nutzung ist minimal
- Coinbases x402-Protokoll verzeichnete in 30 Tagen rund $24 million an KI-Agenten-Zahlungsvolumen — nach Wash-Trading-Filtern blieben jedoch nur $1.6 million übrig
- USDC verzeichnete im bisherigen Verlauf von 2026 ein bereinigtes Transaktionsvolumen von $2.4 trillion — weit mehr als der aufkeimende KI-Zahlungssektor
- Das gesamte Stablecoin-Zahlungsvolumen stieg in 2025 auf $375 billion, gegenüber $213 billion in 2024, so Bernstein
Stablecoin-KI-Zahlungen erhalten derzeit viel Aufmerksamkeit — doch Bernsteins jüngste Research-Analyse legt nahe, dass der Hype den tatsächlichen Einnahmen weit voraus ist. In dem am Montag veröffentlichten Bericht argumentiert der Broker, dass Stablecoins langfristig vom Aufstieg des Machine-to-Machine-Handels profitieren könnten, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass die aktuellen Zahlen schlicht winzig sind. Der eigentliche Wachstumsmotor, so Bernstein, läuft auch ohne KI bereits bestens.
Was Bernstein tatsächlich herausfand
Die am Montag veröffentlichte Analyse, die Journalisten vorlag, zeichnet ein recht ausgewogenes Bild. Stablecoins könnten Machine-to-Machine-Zahlungen ermöglichen, indem sie Mikrotransaktionen wirtschaftlich tragfähig machen und programmierbare, bedingte Transfers zwischen Software-Agenten erlauben — ganz ohne menschliche Freigabe bei jedem Schritt. Das ist die optimistische These. Die aktuelle Realität sieht allerdings anders aus.
Stripes und Tempos Maschinenzahlungs-Protokoll verzeichnete in seiner ersten Betriebswoche rund $5,000 an Stablecoin-Volumen. Coinbase x402 — der Zahlungsstandard, der KI-Agenten automatisierte Internetzahlungen ermöglicht — kam laut Bernsteins eigener Grafik in den letzten 30 Tagen auf $24 million, wobei die Firma anmerkte, dass die Obergrenze des gemeldeten Volumens bei rund $25 million lag.
Dann ließ a16z-Partner Noah Levine die Zahlen durch den Wash-Trading-Filter von Artemis Analytics laufen. Das Ergebnis: Das tatsächliche KI-Agenten-Zahlungsvolumen auf x402 lag eher bei $1.6 million. Kein Rundungsfehler — eine Korrektur um den Faktor fünfzehn. Als Bloombergs ursprüngliche Zahl von $24 million bereinigt wurde, lösten sich mehr als $22 million in Luft auf.
$1.6 million ist keine große Zahl. Aber die Infrastruktur, die darum herum aufgebaut wird, schon.
Braucht das Stablecoin-Wachstum überhaupt KI?
Nicht wirklich — und genau das ist Bernsteins Kernaussage. Die Bernstein-Analyse formuliert KI-Zahlungen bewusst als zusätzliche Chance, nicht als Kernthese. Grenzüberschreitende Geschäftszahlungen, Überweisungen von Arbeitnehmern, kartengebundene Produkte und Neobanking-Integrationen treiben die Stablecoin-Akzeptanz bereits in großem Maßstab voran — und diese Anwendungsfälle sind kaum davon abhängig, ob KI-Agenten jemals nennenswerte Transaktionsvolumina erreichen.
Das gesamte Stablecoin-Zahlungsvolumen stieg in 2025 auf $375 billion, deutlich mehr als die $213 billion im Vorjahr. Consumer-to-Consumer-Zahlungen führten das Wachstum an, aber auch Business-to-Consumer-, Business-to-Business- und Consumer-to-Business-Aktivitäten trugen dazu bei. Das ist eine gesunde, diversifizierte Wachstumsgeschichte. KI-Zahlungen würden, falls und wenn sie Realität werden, auf einer Basis aufsetzen, die bereits ohne sie wächst.
Diese Einordnung ist für Investoren wichtig. KI-Agenten-Handel ist als langfristiges Infrastruktur-Narrativ durchaus spannend — Visas Krypto-Abteilung stellte am Donnerstag ein KI-Zahlungstool vor, und das von Stripe unterstützte Tempo brachte in derselben Woche eine eigene Blockchain samt Zahlungsprotokoll heraus. Doch Bernstein sagt im Grunde: Stablecoin-Positionen sollten nicht auf Basis von KI-Zahlungsvolumina eingegangen werden, die sich noch gar nicht verlässlich messen lassen.
Wer profitiert, wenn KI-Zahlungen tatsächlich skalieren?
Bernsteins Antwort ist vorhersehbar, aber gut begründet: Coinbase und Circle. Ihre gemeinsame USDC-Partnerschaft mache sie zu den „besten Stellvertretern für Stablecoin-Potenzial", so die Analyse. Und sollten Maschinenzahlungen tatsächlich relevant werden, sei USDC aufgrund seiner regulatorischen Stellung und Liquiditätstiefe der wahrscheinlichste Kandidat, dieses Geschäft an sich zu ziehen.
Die Zahlen untermauern die aktuelle Dominanz von USDC. Im bisherigen Verlauf von 2026 verzeichnete USDC ein bereinigtes Transaktionsvolumen von $2.4 trillion. Tethers USDt, trotz der größeren Marktkapitalisierung, kam im gleichen Zeitraum auf $1.4 trillion — eine Lücke, die USDCs stärkere institutionelle und regulatorische Positionierung in Märkten widerspiegelt, in denen Compliance tatsächlich zählt.
Levine merkte in seinem eigenen Beitrag an, dass x402 bereits von Stripe, Cloudflare, Vercel und Googles Agenten-Zahlungsprotokoll integriert wird. Das ist echte Infrastruktur. Ob die Zahlungsvolumina, die dadurch fließen, am Ende bei $1.6 million oder $1.6 billion landen, hängt davon ab, wie schnell autonome Agenten zu echten kommerziellen Akteuren werden — und dieser Zeitplan ist reine Spekulation.
Bernsteins Einschätzung dürfte die richtige sein. Stablecoins brauchen keine Roboter-Wirtschaft, um zu florieren. Sie brauchen nur eine Welt, in der grenzüberschreitende Geldtransfers immer noch langsam und teuer sind — und diese Welt wird so schnell nicht verschwinden.
Häufig gestellte Fragen
Was ist Coinbase x402 und wie hängt es mit Stablecoin-KI-Zahlungen zusammen?
Coinbase x402 ist ein Zahlungsstandard, der es KI-Agenten ermöglicht, automatisierte Zahlungen über das Internet mit Stablecoins durchzuführen. In den letzten 30 Tagen wurde ein Volumen von rund $24 million verzeichnet, wobei nach Anwendung von Wash-Trading-Filtern von Artemis Analytics die tatsächliche Zahl bei etwa $1.6 million liegt.
Warum sagt Bernstein, dass Stablecoins keine KI-Zahlungen brauchen, um weiter zu wachsen?
Bernstein verweist auf grenzüberschreitende Geschäftszahlungen, Überweisungen, kartengebundene Produkte und Neobanking als die eigentlichen Treiber der Stablecoin-Nachfrage. Das gesamte Zahlungsvolumen erreichte bereits 2025 $375 billion, gegenüber $213 billion im Jahr 2024, lange bevor KI-Agenten-Handel zu einem relevanten Faktor wurde.
Wie hoch ist das USDC-Transaktionsvolumen in 2026 bisher?
USDC verzeichnete im bisherigen Verlauf von 2026 ein bereinigtes Transaktionsvolumen von $2.4 trillion, verglichen mit $1.4 trillion für Tethers USDt im gleichen Zeitraum. Bernstein sieht USDC aufgrund seiner Liquidität und regulatorischen Stellung am besten positioniert, um künftiges Wachstum durch KI-gesteuerte Maschinenzahlungen zu erfassen.
Welche Unternehmen empfiehlt Bernstein als Stablecoin-Investments?
Bernstein identifiziert Coinbase und Circle als die besten Stellvertreter für Stablecoin-Potenzial und verweist auf deren gemeinsame USDC-Partnerschaft. Die Analyse argumentiert, dass USDC als liquidester und am stärksten regulierter Stablecoin unter den aktuellen Kandidaten die Maschinenzahlungs-Aktivität am ehesten dominieren dürfte.
