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Banken wetteifern um Tokenisierung von Einlagen

Banken wie Citi, BNY und JPMorgans Kinexys treiben 2026 tokenisierte Einlagen auf Blockchain-Schienen voran – der Onchain-Cash-Wettlauf verschärft sich.

Banken wetteifern um Tokenisierung von Einlagen

Das Wichtigste in Kürze

  • UK Finance, Citi, BNY, JPMorgan's Kinexys, Standard Chartered und ABN Amro haben zu einem neuen RWA.io-Bericht über tokenisierte Einlagen beigetragen
  • Lloyds Banking Group und Archax haben im Januar die erste öffentliche Blockchain-Transaktion Großbritanniens mit tokenisierten Einlagen auf dem Canton Network abgeschlossen
  • Der Pontes-Abwicklungsmechanismus der EZB — Teil ihres Appia-Rahmenwerks — soll im Q3 2026 starten und Blockchain-Plattformen mit der Eurosystem-Infrastruktur verbinden
  • Anders als Stablecoins bleiben tokenisierte Einlagen direkte Verbindlichkeiten der ausgebenden Bank und unterliegen weiterhin den bestehenden Regelungen zur Einlagensicherung und Geldwäschebekämpfung

Tokenisierte Einlagen werden still und leise zur bevorzugten Antwort der Bankenbranche auf die Stablecoin-Frage — und ein neuer Bericht argumentiert, dass sie das Rückgrat bilden könnten, über das Geschäftsbankgeld künftig auf Blockchain-Schienen fließt. Der von RWA.io veröffentlichte Bericht mit Beiträgen von UK Finance, Citi, BNY, JPMorgan's Kinexys, Standard Chartered, ABN Amro und Digital Asset ordnet tokenisierte Einlagen nicht als Nischenexperiment ein, sondern als dritte Säule des sogenannten Onchain-Cash-Stacks — neben Stablecoins und digitalen Zentralbankwährungen in einem künftigen Multi-Geld-Finanzsystem.

Was sind tokenisierte Einlagen — und warum bevorzugen Banken sie?

Tokenisierte Einlagen sind Blockchain-Abbildungen traditioneller Bankeinlagen. Punkt. Das ist die Kernaussage. Doch die Details sind entscheidend: Anders als die meisten Stablecoins, die von Nicht-Banken gegen Reservevermögen ausgegeben werden, bleiben tokenisierte Einlagen direkte Verbindlichkeiten der ausgebenden Bank. Das bedeutet: Die Einlagensicherung gilt weiterhin. Die Eigenkapitalanforderungen gelten weiterhin. AML- und KYC-Regeln verschwinden nicht, nur weil das Hauptbuch umgezogen ist.

Das ist ein bedeutsamer Unterschied — einer, der zunehmend relevant wird, da Regulierungsbehörden in den USA und Europa genau prüfen, wer eigentlich digitales Geld ausgeben darf. Banken setzen darauf, dass Regulierer letztlich eine Grenze ziehen werden zwischen „Bankgeld auf der Blockchain" und „allem anderen" — und sie wollen klar auf der richtigen Seite dieser Grenze stehen. Ob diese Wette aufgeht, hängt weitgehend davon ab, wie die noch im Entstehen begriffenen regulatorischen Rahmenwerke letztlich ausfallen.

Der Vorstoß der tokenisierten Einlagen von Lloyds Banking Group und Archax im Januar — beschrieben als Großbritanniens erste öffentliche Blockchain-Transaktion mit tokenisierten Einlagen auf dem Canton Network — ist das bisher deutlichste Signal, dass europäische Banken über Konzeptpapiere hinausgehen und zu Live-Implementierungen übergehen. Das Great British Tokenised Deposit-Pilotprojekt von UK Finance, das bis Mitte 2026 läuft, testet reale Anwendungsfälle: Peer-to-Peer-Marktplatzzahlungen, Umschuldungen und Digital-Asset-Abwicklung.

Das globale Finanzsystem basiert nach wie vor auf Geschäftsbankgeld. Dieses Geld auf digitale Schienen zu bringen, wird die Grundlage der nächsten Generation des digitalen Finanzwesens bilden.

— Marko Vidrih, Co-founder and COO, RWA.io

Das europäische Regulierungswettrennen holt die Banken ein

Auch Europas Zentralbank steht nicht still. Die EZB hat ihre Arbeit am digitalen Euro vorangetrieben, obwohl US-Dollar-gestützte Stablecoins weiterhin das grenzüberschreitende Transaktionsvolumen dominieren — eine Dynamik, die Brüssel seit Jahren mit wachsender Sorge beobachtet.

Im März 2026 stellte die EZB ECB Appia vor, ihren langfristigen Fahrplan dafür, wie tokenisierte Finanzmärkte in ganz Europa mit Zentralbankgeld als Abwicklungsschicht funktionieren könnten. Das Herzstück ist Pontes — ein neuer Abwicklungsmechanismus, der Blockchain-basierte Finanzplattformen mit der bestehenden TARGET-Services-Infrastruktur des Eurosystems verbinden soll, die bereits Großbetragszahlungen in Euro, Wertpapierabwicklung und Sofortzahlungen auf dem gesamten Kontinent abwickelt. Pontes soll im Q3 2026 starten.

Die EZB hat zudem Bewerbungen für externe Experten eröffnet, die zu den Arbeitsgruppen des digitalen Euro beitragen sollen, und bestätigt, dass sie in der zweiten Jahreshälfte 2027 ein 12-monatiges Pilotprojekt für den digitalen Euro starten will. Was dieser Zeitplan in der Praxis bedeutet: Banken, Fintechs und DeFi-Infrastrukturanbieter haben etwa 18 Monate, um sich zu positionieren, bevor die Zentralbank-Alternative mit voller Wucht eintrifft.

Hält die „Multi-Geld"-Vision tatsächlich zusammen?

Die Einordnung von UK Finance im RWA.io-Bericht verdient Beachtung. Die Branchenorganisation bezeichnet die Zukunft ausdrücklich als eine „Multi-Geld"-Welt — eine Welt, in der tokenisierte Einlagen, Stablecoins und CBDCs nebeneinander existieren und sich gegenseitig ergänzen, statt zu kannibalisieren. Das ist ein bequemer Rahmen für Banken. Er suggeriert, dass es Platz für alle gibt, und umgeht die unbequeme Frage, ob von Circle oder Tether ausgegebene Stablecoins für die grenzüberschreitende Abwicklung schlicht bessere Produkte sind als alles, was eine traditionelle Bank bauen kann.

Marko Vidrih von RWA.io räumte ein, dass Stablecoins und CBDCs den Großteil der öffentlichen Aufmerksamkeit auf sich ziehen — argumentierte jedoch, dass der Diskussion ihr wichtigstes Element fehle. Geschäftsbankgeld sei nach wie vor dort, wo der Großteil der weltweiten Transaktionen tatsächlich abgewickelt wird. Diese Infrastruktur auf digitale Schienen zu bringen, so Vidrih, werde die nächste Phase des digitalen Finanzwesens tatsächlich definieren — nicht die Frage, welcher Stablecoin Marktanteile gewinnt.

Die Liste der Mitwirkenden am RWA.io-Bericht spricht für sich. Wenn JPMorgan Kinexys, Citi, BNY, Standard Chartered und ABN Amro alle ihren Namen unter dasselbe Whitepaper setzen, ist das kein Zufall — sondern ein koordiniertes Branchensignal. Diese Institutionen formen die Erzählung rund um tokenisierte Einlagen, bevor die Regulierer die Regeln finalisieren. Ob das kluges Lobbying oder echte Innovation darstellt, hängt davon ab, auf welcher Seite der Debatte man steht.

Ob man es vorsichtigen Pragmatismus oder Selbsterhaltungstrieb der Platzhirsche nennt — so oder so haben die größten Banken der Welt entschieden, dass „wir geben das Geld aus, also sollten wir auch die digitale Version kontrollieren" eine vertretbare Position ist. Das Appia-Rahmenwerk der EZB und die britischen Pilotprojekte deuten darauf hin, dass die Regulierer dem zustimmen könnten.

Häufig gestellte Fragen

Was sind tokenisierte Einlagen?

Tokenisierte Einlagen sind digitale Abbildungen traditioneller Bankeinlagen, die auf Blockchain- oder Distributed-Ledger-Infrastruktur erfasst werden. Anders als Stablecoins bleiben sie direkte Verbindlichkeiten der ausgebenden Bank und unterliegen bestehenden Regulierungen einschließlich Einlagensicherung, Eigenkapitalanforderungen sowie AML- und KYC-Vorschriften.

Wie unterscheiden sich tokenisierte Einlagen von Stablecoins?

Stablecoins werden in der Regel von Nicht-Banken ausgegeben und durch Reservevermögen gedeckt. Tokenisierte Einlagen werden von regulierten Banken ausgegeben und verbleiben innerhalb bestehender Bankenrahmenwerke. Das bedeutet: Einlagenschutz greift, Regulierer haben klarere Aufsicht und der Emittent haftet direkt — was sie für traditionelle Finanzregulierer akzeptabler macht.

Was ist ECB Appia?

ECB Appia ist der langfristige Plan der Europäischen Zentralbank für tokenisierte Finanzmärkte in Europa unter Nutzung von Zentralbankgeld als Abwicklungsschicht. Er umfasst Pontes, einen Mechanismus zur Verbindung von Blockchain-Plattformen mit der Eurosystem-Infrastruktur. Pontes soll im Q3 2026 starten.

Welche Banken sind an Pilotprojekten für tokenisierte Einlagen beteiligt?

Citi, BNY, JPMorgan's Kinexys, Standard Chartered, ABN Amro und Digital Asset haben zum RWA.io-Bericht beigetragen. Lloyds Banking Group und Archax haben im Januar 2026 die erste öffentliche Blockchain-Transaktion Großbritanniens mit tokenisierten Einlagen auf dem Canton Network abgeschlossen.