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ETF-Riese greift Tether und Paxos mit Gold-Token-Plan an

World Gold Council schlägt „Gold as a Service"-Framework für tokenisiertes Gold vor, um Tether Gold und PAX Gold mit 4,9 Mrd. $ Marktkapitalisierung herauszufordern.

ETF-Riese greift Tether und Paxos mit Gold-Token-Plan an

Das Wichtigste in Kürze

  • Das World Gold Council — unterstützt von führenden Goldminenunternehmen — veröffentlichte ein White Paper, das gemeinsam mit der Boston Consulting Group verfasst wurde und eine gemeinsame Infrastruktur für tokenisiertes Gold vorschlägt
  • Das Konzept namens „Gold as a Service" würde es Unternehmen, die goldgedeckte Token erstellen, ermöglichen, Verwahrnetzwerke, laufende Audits und Fungibilitätsstandards gemeinsam zu nutzen, anstatt eigene Systeme von Grund auf aufzubauen
  • Tether Gold und PAX Gold haben derzeit eine kombinierte Marktkapitalisierung von $4,9 Milliarden, fünf Jahre nachdem beide Token auf den Markt kamen — eine Position, die das Framework des Councils erschüttern soll
  • Das World Gold Council verwaltet außerdem SPDR Gold Shares, den ersten in den USA gelisteten physischen Gold-ETF mit einer Marktkapitalisierung von $126 Milliarden

Das am Donnerstag veröffentlichte Framework des World Gold Council für tokenisiertes Gold, zusammen mit einem White Paper der Boston Consulting Group, ist ein direkter Angriff auf Tether und Paxos — zwei Unternehmen, die jahrelang eigene Verwahrungs- und Emissionsinfrastrukturen für goldgedeckte Token aufgebaut haben. Das Council will all das durch eine gemeinsame Plattform ersetzen. Ob der Markt darauf hört, ist eine andere Frage.

Gold as a Service — Was das World Gold Council tatsächlich vorschlägt

Was ist Gold as a Service?

Gold as a Service ist ein Konzept für gemeinsame Infrastruktur, das das World Gold Council am Donnerstag in einem gemeinsam mit der Boston Consulting Group verfassten White Paper vorgestellt hat. Die Idee: Unternehmen, die goldgedeckte Token ausgeben wollen, sollten das Rad bei Verwahrung, Prüfung und Reservenverwaltung nicht neu erfinden müssen. Stattdessen würden sie sich an ein gemeinsames Netzwerk anschließen, das all das übernimmt.

Derzeit funktioniert der Markt nicht so. Paxos hat eine eigene Infrastruktur aufgebaut — Reserven werden in Londoner Tresoren verwahrt, die von Brink's, einem Sicherheitsdienstleister, verwaltet werden. Tether ging einen anderen Weg und lagert das physische Gold, das seinen Token absichert, in einem Schweizer Tresor, der einst als Atombunker aus dem Kalten Krieg gedient haben soll. Das sind maßgeschneiderte Lösungen, teuer im Aufbau und nicht auf Interoperabilität ausgelegt.

Das Angebot des Councils umfasst Fungibilität über Produkte hinweg, laufende Audits zur Stärkung des Anlegervertrauens und eine vereinfachte Kostenstruktur, die das Geschäftsmodell auch für kleinere Emittenten tragfähig macht. Mike Oswin, Global Head of Market Structure and Innovation des Councils, verglich es mit etwas, das man wahrscheinlich schon auf der Unterseite eines Laptops gesehen hat.

Wenn man dieses kleine Symbol sieht, weiß man, dass Intel drin steckt. Man bekommt den besten Prozessor und weiß, dass man mit dem rausgeht, was man braucht.

— Mike Oswin, Global Head of Market Structure and Innovation, World Gold Council

Tether Gold und PAX Gold haben einen Vorsprung von $4,9 Milliarden

Tether Gold und PAX Gold erreichten diese Woche zusammen eine Marktkapitalisierung von $4,9 Milliarden, laut CoinGecko-Daten — und das ganz ohne gemeinsame Infrastruktur. Beide Token wurden vor rund fünf Jahren eingeführt und dominieren seitdem den Markt für tokenisiertes Gold, wobei sie ihre Verwahrungslösungen unabhängig voneinander aufgebaut und den Markt weitgehend nach eigenen Regeln geschaffen haben.

Genau damit muss sich das Framework des World Gold Council auseinandersetzen. Etablierte Akteure mit einer kombinierten Marktkapitalisierung von $4,9 Milliarden werden ihre funktionierenden Verwahrungssysteme nicht aufgeben, nur weil ein Branchenverband ein White Paper veröffentlicht hat. Der Ansatz des Councils zielt weniger darauf ab, bestehende Akteure in ein neues System zu ziehen, sondern vielmehr darauf, die Eintrittsbarriere für die nächste Welle von Emittenten zu senken — die Unternehmen, die noch nicht gestartet sind, weil die Aufbaukosten zu hoch waren.

Oswin brachte es auf den Punkt: Physisches Gold ist ein grundsätzlich sperriges Asset für die Tokenisierung. Es kommt in verschiedenen Größen, verschiedenen Formen und verschiedenen Ausführungen vor und wird an verschiedenen Standorten gelagert. Das war schon immer der Reibungspunkt bei digitalen Goldprodukten, und es ist etwas, das Software allein nicht vollständig abstrahieren kann.

Letztendlich ist [Gold] ein physischer Vermögenswert, der in verschiedenen Größen, Formen, Ausführungen und an verschiedenen Standorten vorkommt. Das war schon immer ein Hindernis für diese Art von Initiativen.

— Mike Oswin, Global Head of Market Structure and Innovation, World Gold Council

Warum interessiert sich das World Gold Council für Krypto?

Berechtigte Frage. Das World Gold Council ist ein Branchenverband, der von den weltweit größten Goldminenunternehmen finanziert wird — sein Auftrag ist es, die Goldnachfrage weltweit zu fördern. Tokenisierung ist lediglich die neueste Grenze dieser Mission.

Das Council brachte SPDR Gold Shares bereits 2004 auf den Markt — den ersten in den USA gelisteten börsengehandelten Fonds, der durch physisches Gold gedeckt ist. Dieser Fonds hat heute eine Marktkapitalisierung von $126 Milliarden. Eine vergleichbare Position im Bereich tokenisiertes Gold zu etablieren, bevor der Markt reift und andere Akteure sich festsetzen, ist hier eindeutig der strategische Schachzug. Die Marke „Gold as a Service" fungiert als Gütesiegel — ein „Intel inside" für Gold-Token, das das Council zum Standard-Vertrauenssignal für die gesamte Kategorie machen will.

Auch das Timing ist kein Zufall. Die Tokenisierungsplattform Theo hat gerade $100 Millionen eingesammelt, um thUSD zu lancieren — einen selbst beschriebenen „goldgedeckten Stablecoin", der durch thGOLD statt durch Bargeld oder US-Staatsanleihen besichert ist. Anders als die meisten Stablecoins strebt er die Dollar-Parität über Goldreserven statt über Bargeld und Staatsschulden an. Die Experimentierfreude in diesem Bereich nimmt eindeutig zu, und das Council will die Standardisierungsinstanz sein, die die Spielregeln festlegt, bevor sich der Markt verfestigt.

Es gibt auch ein Kostenproblem, das Gold innewohnt und das bei bargeldgedeckten Stablecoins nicht auftritt. Physisches Gold in einem Tresor erwirtschaftet keine Rendite — es liegt einfach da und verursacht Lager- und Versicherungskosten. Diese Belastung der Wirtschaftlichkeit hat es historisch schwer gemacht, das Geschäftsmodell goldgedeckter Token zu rechtfertigen. Eine gemeinsame Gold as a Service-Infrastruktur, so argumentiert das Council, drückt diese Kosten so weit, dass Hunderte neuer Produkte wirtschaftlich tragfähig werden, wo heute nur eine Handvoll existiert.

Statt einer Handvoll erfolgreicher Produkte wird dies potenziell zu Hunderten von Produkten führen, die jetzt auf den Markt kommen können. Das Geschäftsmodell steht viel besser da, weil sie auf vereinfachte, kostengünstigere Weise auf das physische Gold zugreifen können.

— Mike Oswin, Global Head of Market Structure and Innovation, World Gold Council

Häufig gestellte Fragen

Was ist Gold as a Service vom World Gold Council?

Gold as a Service ist eine gemeinsame Infrastrukturplattform, die vom World Gold Council in einem gemeinsam mit der Boston Consulting Group verfassten White Paper vorgeschlagen wurde. Sie ermöglicht es Unternehmen, die goldgedeckte Token erstellen, Verwahrnetzwerke, laufende Audits und Reservenverwaltungssysteme gemeinsam zu nutzen, anstatt eigene Systeme von Grund auf aufzubauen.

Wie groß ist der Markt für tokenisiertes Gold derzeit?

Tether Gold und PAX Gold haben laut CoinGecko Anfang 2026 eine kombinierte Marktkapitalisierung von $4,9 Milliarden. Beide Token wurden vor rund fünf Jahren eingeführt und dominieren seitdem den Markt, wobei Paxos Londoner Brink's-Tresore und Tether einen Schweizer Tresor nutzt.

Warum hat das World Gold Council ein Framework für tokenisiertes Gold eingeführt?

Das Council, das den $126 Milliarden schweren SPDR Gold Shares ETF verwaltet, will die Goldnachfrage in den Bereich digitaler Vermögenswerte ausweiten. Sein Framework zielt darauf ab, die Kostenbarriere für kleinere Emittenten zu senken und gleichzeitig einen Zertifizierungsstandard zu etablieren, der Qualität und Vertrauen bei goldgedeckten Token-Produkten signalisiert.

Was ist Tether Gold und wie werden die Reserven verwahrt?

Tether Gold ist ein von Tether ausgegebener goldgedeckter Token, der das Eigentum an physischem Gold repräsentiert. Die Reserven werden in einem Schweizer Tresor verwahrt, der einst als Atombunker aus dem Kalten Krieg gedient haben soll. Er hat sich neben PAX Gold zu einem der beiden dominierenden tokenisierten Goldprodukte entwickelt.