US-Ankläger fordern Richter auf, SBF-Neuverhandlung abzulehnen
US-Staatsanwälte fordern Ablehnung des Neuverhandlungsantrags von Sam Bankman-Fried. Zeugenaussagen von Salame und Chapsky erfüllen nicht den Rechtsstandard.

Das Wichtigste in Kürze
- Der 11. März war die gerichtlich festgesetzte Frist für die Antwort der Staatsanwaltschaft auf SBFs Neuverhandlungsantrag
- Die Ankläger argumentieren, dass Aussagen von Ryan Salame und Daniel Chapsky nicht als neu entdeckte Beweismittel gelten
- SBF wurde nach seiner Verurteilung im November 2023 wegen sieben Anklagepunkten des Betrugs und der Verschwörung zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt
- Donald Trump erklärte am 9. Januar, er habe nicht die Absicht, Bankman-Fried eine Begnadigung zu gewähren
Sam Bankman-Frieds Vorstoß für ein neues Strafverfahren ist am Donnerstag ins Stocken geraten, als Bundesstaatsanwälte eine Stellungnahme einreichten, in der sie den Richter auffordern, den Antrag vollständig abzulehnen. Der ehemalige FTX-Chef habe die rechtliche Hürde für eine Sam Bankman-Fried Neuverhandlung nicht überwunden, so die Staatsanwaltschaft laut einem Bloomberg-Bericht unter Berufung auf Gerichtsdokumente.
Warum die Staatsanwaltschaft den Neuverhandlungsantrag für unbegründet hält
Das Kernargument der Anklage ist einfach: Die Zeugen, auf die sich Bankman-Fried stützt, waren seinem Verteidigungsteam nie verborgen. Die Staatsanwälte vertreten die Auffassung, dass Aussagen der ehemaligen FTX-Führungskräfte Ryan Salame und Daniel Chapsky nicht die rechtliche Definition neu entdeckter Beweismittel erfüllen, da beide Männer der Verteidigung lange vor Beginn des Prozesses 2023 bekannt waren. Das Gesetz legt die Hürde für Neuverhandlungen auf Basis neuer Beweise bewusst hoch an — genau um zu verhindern, dass Angeklagte nach einem ungünstigen Urteil immer neue Zeugen aufbieten.
Bankman-Fried hatte den Neuverhandlungsantrag bereits im Februar eingereicht und behauptet, die Aussagen von Salame und Chapsky könnten das Bild der Anklage von den FTX-Finanzen in den Monaten vor dem Zusammenbruch erschüttern. Die Verteidigung stellte deren Aussagen als potenziell entscheidend dar. Die Staatsanwaltschaft sieht das offensichtlich anders — und der Streit um die Sam Bankman-Fried Neuverhandlung liegt nun bei Richter Kaplan, der diese Stellungnahme bis zum 11. März angeordnet hatte, aber noch nicht erkennen ließ, wie er entscheiden wird.
Was war die FTX-Betrugsverurteilung?
Wessen wurde SBF schuldig gesprochen und welche Strafe erhielt er?
Eine Jury sprach im November 2023 ein Schuldigurteil in sieben Anklagepunkten — Betrugs- und Verschwörungsvorwürfe, die direkt mit dem Umgang mit Kundengeldern bei FTX und der Schwesterfirma Alameda Research zusammenhingen. Die FTX-Betrugsverurteilung resultierte in einer Gefängnisstrafe von 25 Jahren — eine der härtesten Strafen, die jemals gegen einen Krypto-Manager verhängt wurden. Im Kern ging es darum, ob Bankman-Fried wissentlich den Missbrauch von Milliarden an Kundeneinlagen angeordnet hatte — und die Anklage stützte ihren Fall vor allem auf Aussagen seines ehemaligen engsten Kreises.
Zu diesem engsten Kreis gehörte Ryan Salame, Co-CEO von FTX Digital Markets, der sich später in damit verbundenen Verfahren schuldig bekannte. Salames eigene rechtliche Situation ist hier aufschlussreich: Die Verurteilung von Ryan Salame endete mit einer Gefängnisstrafe von 90 Monaten. Das Argument der Staatsanwaltschaft: Wenn Salames Aussage für SBFs Verteidigung relevant gewesen wäre, dann bestand diese Relevanz bereits vor dem Prozess 2023 — und nicht als nachträgliche Erkenntnis nach dem Urteil.
Spielt die Begnadigungsoption noch eine Rolle?
Der Streit um die Neuverhandlung findet nicht im luftleeren Raum statt. Monatelang beobachteten Kommentatoren Bankman-Frieds öffentliche Schritte mit einer zentralen Frage: Zielt er auf eine Begnadigung durch den Präsidenten ab? Am 1. Februar lobte er Donald Trumps kryptofreundliche politische Haltung in den sozialen Medien — was sofort Spekulationen auslöste, dass es weniger um echte Begeisterung ging, sondern vielmehr darum, Wohlwollen im Weißen Haus aufzubauen.
Trump schloss diese Tür öffentlich am 9. Januar, als er der New York Times sagte, er habe nicht die Absicht, Bankman-Fried zu begnadigen. Mit der Begnadigung — zumindest öffentlich — vom Tisch bleiben die Berufung vor dem Second Circuit und dieser Neuverhandlungsantrag als die beiden verbliebenen rechtlichen Hebel. Der Richter hat noch nicht entschieden. Die Wartezeit könnte lang werden.
