Bitcoin bei $78K? Profi-Trader sehen weniger als 17% Chance
Profi-Trader sehen weniger als 17% Wahrscheinlichkeit, dass Bitcoin bis 27. März $78K erreicht – ETF-Zuflüsse können Makro-Gegenwind nicht ausgleichen.

Das Wichtigste in Kürze
- $414 Millionen flossen am Montag und Dienstag in US-börsennotierte Bitcoin-ETFs, konnten aber die $576 Millionen an Nettoabflüssen der Vorwoche nicht ausgleichen
- Bitcoin-Call-Optionen auf Deribit mit einem $78.000-Strike für den 27. März wurden bei $704 gehandelt – das impliziert weniger als 17% Wahrscheinlichkeit für einen Ausbruch
- Die Bitcoin-Futures-Basisrate verharrt unter der 4%-Neutralschwelle – selbst nach einer 16%-Rallye über vier Tage, die am 4. März bei knapp $74.000 ihren Höhepunkt erreichte
- 92.000 Stellen wurden in den USA im Februar abgebaut – weit unter der Konsensprognose von 55.000 neuen Arbeitsplätzen
Der Bitcoin-Kurs steckt fest. Fünf Wochen, fünf gescheiterte Anläufe auf $74.000 – und das professionelle Geld zeigt keinerlei Regung. Die Optionsdaten von Deribit sprechen eine ehrlichere Sprache als jeder Experte: Wale und Market Maker bewerten die Wahrscheinlichkeit, dass Bitcoin vor Ende März die $78.000 erreicht, mit weniger als 17% – und das makroökonomische Umfeld spielt den Bullen nicht gerade in die Karten.
Was sagt der Optionsmarkt über Bitcoins $78K-Ziel?
Deribit-Daten zeigen, wie skeptisch die Profis wirklich sind
Die klarste Einschätzung der professionellen Stimmung liefert derzeit der Derivatemarkt. Bitcoin-Optionen auf Deribit für den 27. März – konkret die $78.000-Strike-Calls – wurden am Mittwoch bei $704 gehandelt. Dieser Kurs impliziert eine Wahrscheinlichkeit von rund 17%, dass Bitcoin etwa 12% über das aktuelle Niveau steigt, bevor der Kontrakt ausläuft. Weniger als eine Chance von eins zu fünf. Das ist keine Skepsis – das ist ein Achselzucken.
Der Futures-Markt widerspricht nicht. Die annualisierte Prämie – von Insidern als Basisrate bezeichnet – für monatliche Bitcoin-Futures liegt unter 4%, der allgemein anerkannten Neutralschwelle. Diese Zahl hat sich nach dem 16%-Anstieg zwischen dem 1. und 4. März, der kurzzeitig $74.000 erreichte, kaum bewegt. Wenn eine zweistellige Rallye die Basisrate nicht in Bewegung bringt, blickt man auf einen Markt, der der Bewegung schlicht nicht vertraut.
Anleger konzentrieren sich weit stärker darauf, wie der Konflikt die Inflation beeinflusst.
ETF-Zuflüsse sind nicht die Rettungsleine, für die Bullen sie halten
Dieser Punkt verdient genauere Betrachtung. US-börsennotierte Bitcoin-ETF-Zuflüsse beliefen sich am Montag und Dienstag auf $414 Millionen – eine Zahl, die von der bullischen Fraktion prompt hervorgehoben wurde. Doch betrachtet man die gesamte Woche, zeigt sich ein anderes Bild: Am Donnerstag und Freitag zuvor gab es Nettoabflüsse von $576 Millionen. Ein Loch von $162 Millionen stopft man nicht, indem man zwei grüne Tage zur Trendwende hochstilisiert.
Genau diese Rechnung machen professionelle Trader auf. ETF-Zuflüsse sind relevant – aber nur, wenn sie strukturell konstant sind, nicht wenn sie als Teilausgleich nach einem zweitägigen Abfluss daherkommen. Solange die wöchentliche ETF-Nettobilanz nicht dauerhaft positiv wird, ist dieser Datenpunkt Rauschen im Gewand eines Signals.
Das Makroumfeld ist das eigentliche Problem – nicht Bitcoins Chart
Der US-Arbeitsmarkt hat kräftig in die falsche Richtung ausgeschlagen. 92.000 Stellen wurden im Februar gestrichen – die Zahl wurde am Freitag veröffentlicht und machte sämtlichen Optimismus der Wochenmitte zunächte. Analysten hatten einen Zuwachs von 55.000 Arbeitsplätzen erwartet. Die Diskrepanz ist enorm, und sie wiegt schwer, weil ein schwächelnder Arbeitsmarkt das Rezessionsrisiko erhöht – während der Ölpreis durch geopolitische Spannungen weiter hoch bleibt.
Raymond-James-Stratege Tavis McCourt brachte es am Montag gegenüber Reportern auf den Punkt: Der Anstieg des Ölpreises um $25 pro Barrel hebe den fiskalpolitischen Vorteil des One Big Beautiful Bill Act praktisch auf. Er fügte hinzu, dass es sowohl nach dem Golfkrieg 1990 als auch nach der russischen Invasion in der Ukraine 2022 etwa sechs Monate dauerte, bis sich die Ölpreise normalisierten – was Bitcoin-Bullen mindestens bis Mitte des Sommers in eine Warteschleife versetzt, sofern sich die Geschichte wiederholt.
Dass JPMorgan laut Financial Times den Wert von Private-Credit-Darlehen an Softwarefirmen herabgestuft hat, dämpfte am Montag die Risikobereitschaft zusätzlich. Es ist nicht eine einzelne Schlagzeile – es ist das Muster. Jede Makroveröffentlichung dieser Woche hat gegen die Bullen-These gearbeitet.
Gibt es etwas, das Bitcoin vor einem Einbruch bewahrt?
Strategy MSTR und das strukturelle Kaufinteresse, das nicht verschwindet
Fairerweise muss man sagen: Die aktuellen On-Chain- und Derivate-Daten deuten nicht auf einen Crash hin. Gleichgültigkeit ist das dominante Signal – und das ist tatsächlich etwas anderes als eine Distribution. Die Verkäufer sind nicht aggressiv. Sie werden nur nicht überwältigt.
Die Renditeprodukte von Strategy (MSTR) spielen zunehmend eine Rolle in dieser strukturellen Stützung. Das Unternehmen meldete diese Woche Rekordwerte beim durchschnittlichen täglichen Kurs und Handelsvolumen, was den Weg für Aktienplatzierungen am Markt ebnet – deren Erlöse direkt in zusätzliche Bitcoin-Käufe fließen. X-Nutzer „gumsays“ ging in seiner Analyse noch weiter und argumentierte, dass die Verbreitung von Strategys Variable Rate Perpetual (STRC) in Bitcoin-Käufe von mehreren Milliarden Dollar pro Woche münden könnte.
Kombiniert man das mit einem nachhaltigen ETF-Zuflusszyklus, ergibt sich ein glaubwürdiger Weg zu $78.000. Der Haken? Professionelle Trader gehen davon aus, dass sich dieses Szenario nach März abspielt, nicht davor – und der Optionsmarkt preist genau das ein. Eins-zu-fünf-Chancen sind kein grünes Licht. Es ist die Art des Marktes zu sagen: Abwarten.
